Haare divers und Weiblichkeit*, Teil 1

Wie wohl sehr viele Mädchen*/Frauen*, hab ich so im Alter von 13, 14 Jahren angefangen, mir sämtliche Körperbehaarung unterhalb der Ohrläppchen regelmäßig abzusäbeln. Es war einfach eines dieser Dinge, die frau* nunmal tut, wenn sie in ein gewisses Alter kommt, so wie BHs tragen und irgendwann auch Make-Up, wobei ich bei ersterem eine von der frühen Truppe (B-Cups mit 11 will do that to you) und bei letzterem gefühlt eher ne Spätzünderin war. Für die nächsten knapp 14, 15 Jahre würde ich also alle neuen Nassrasierer aus dem Hause WilGilNoname ausprobieren, mir die diversen Rasierschaum, -cremes, und -balsams auf die Haut schmieren und mit Epilierern und Wachs rumexperimentieren (auuuuuu!). Die meiste Zeit hab ich darüber nicht groß nachgedacht, es war eben normal. Teilweise, also in den Zeiten, in denen ich mit Mädels* befreundet war, war rasieren sogar oft ein happening vor dem Weggehen. Wir haben uns im Bad meiner Eltern mit Rasierern und dem neuesten Duftgemisch in einer Druckgasflasche bewaffnet und uns ausgehfein gemacht. Es war Teil eines Schönheitsregiments aber auch ein Element von “Ich fühl mich wohl in meiner Haut”, wie Gesichtsmasken und Peelings. Vor allem Beine und Achseln waren alle 2-3 Tage fällig, damit um Himmels Willen keine Stoppeln da sind, let alone Flaum entsteht. Wenn meine Beine mal nicht glatt waren, hab ich lieber ne Strumpfhose getragen oder lange Hosen als meine Stoppelbeine in die Weltgeschichte raus zu tragen. Die “Bikinizonen”-Mode (nein, ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal einen Bikini getragen hab…unnerum halt, wie man bei uns in der Pfalz sagen würde) variierte nach Tagesgeschmack und Partnersituation, würde ich sagen.

Es ist merkwürdig, so im Nachhinein eine Erklärung zusammenschustern zu wollen. Es war eben normal, Teil der Routine, it’s what you do as a woman*. Natürlich gab es auch negative Verstärkung in Magazinen, auf Werbeplakaten, sanktionierende Kommentare von Menschen gegenüber den Frauen*, die sich dem Ganzen entweder bewusst entzogen haben oder die “nachlässig” waren. Auch hier greift natürlich der double bind des fast stärkeren policing durch andere Frauen* als durch Männer*. Aber die meiste Zeit war es eben nicht hinterfragter, wenngleich oft nerviger, Teil des Frau*-Seins, bei mir und in meiner Umgebung.

Abgesehen von ersten Rissen in dieser Wahrnehmung durch Beziehungen/sexuelle Erfahrungen mit Frauen*, die diesen Schönheitsvorschriften definitiv nicht folgten, habe ich wohl das erste Mal wirklich bewusst darüber nachgedacht, was ich da eigentlich mache, durch Amanda Palmers “Map of Tasmania”:

Soft and sweet and shaped like a triangle.
Some girls want no shape and they shave it all.
That’s so whacky, hurts with the stubble,
walking round, look like an eight year old.
I say grow that shit like a jungle.
Give ’em something strong to hold onto.
Let it fly in the open wind.
If it get too bushy, you can trim.

Während diese Zeilen, wie mir bewusst ist, durchaus als body shaming ausgelegt werden können (und werden), hab ich durch diesen Song das erste Mal aktiv reflektiert, dass es ein politisches, ein feministisches (ja, ich weiß, body shaming ist nicht feministisch…) Statement sein kann, sich dem Ganzen zu widersetzen. In dem Lied geht es zwar um “Scham”behaarung (kann jemensch mal bitte ein besseres Wort erfinden!) proper, also nicht notwendigerweise um Beine und Achseln, die ja im Alltag sichtbar sind, sondern um Intimeres, durchaus auch um Selbstbewusstsein gegenüber Sexualpartner*innen, etc.  Was es mir gesagt hat, ist, dass es eine Entscheidung gibt. Nein, das hatte ich mir vorher nicht wirklich bewusst gemacht. Augenöffner Nummer zwei folgte dann im letzten Herbst in Form einer Facebook-Gruppe, über die ich im Februar schon mal geschrieben habe. In der trans*-inklusive Gruppe mit dem großartigen Namen Women against non-essential grooming (WANG!) geht es vor allem um Fragen der Körperbehaarung in einem feministischen Kontext, um Abwägen und Abgrenzen von internalisierten Schönheitsvorschriften und persönlichen Präferenzen, kulturelle Aneignung von Frisuren™, etc. etc. Nach initialen Defensivreflexen und Schnappatmung kam dann mit einer Erweiterung des Selbstverständlichkeitshorizontes auch bei mir an, dass, oh Schock Schwerenot, es viele Frauen* gibt, die bis unter die Ohrläppchen behaart sind und die das in Ordnung finden.

Ich wurde neugierig, was das mit meiner Körperwahrnehmung und der Wahrnehmung meiner Genderidentität machen würde und warf die Rasierer aus dem Fenster (also nicht wirklich, weil vor dem Fenster der Garten ist und ich nur hätte runtergehen und sie wieder aufsammeln müssen, bevor der Hund reintritt).

Wenn mir vorher noch nicht klar gewesen wäre, wie sehr mein weiblicher* Körper ein Politikum ist, wäre es mir spätestens dann unmöglich gewesen, es zu ignorieren. Von coming-out-ähnlichen Gesprächen, “witzigen” Kommentaren, Wind in haarigen Beinen, und der Strumpfhosen-oder-soziale-Ängste-Problematik schreibe ich dann beim nächsten Mal.

Bis dahin, ein Beitrag zur typischen haarigen Feministin* und der Link zu WANG! (geschlossene FB-Gruppe).

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Frauen und Nacktheit in Game of Thrones

Bis sich ‘die community’ mal auf einen Namen einigt (Thronies, ernsthaft?), kann ich mich hier also nur als GoT/ASOIAF-Schauerin/Leserin bezeichnen. Als solche fand ich von Anfang gerade die dreidimensionalen, handelnden weiblichen Charaktere der Bücher/Serie großartig. Dass es gerade in der Serie viel Haut zu sehen gibt, ist ja fast schon sprichwörtlich und auch nicht per se zu verurteilen, auch wenn die Tendenz klar zum Zeigen weiblicher Nacktheit geht (auch keine Neuigkeit). Die Serie hat schon recht früh vor allem wegen letzterem nicht unwesentlich Kritik abbekommen; Danielle Anderson schrieb beispielsweise im April letzten Jahres im Guardian darüber, warum sie sich entschieden hat die Serie nicht weiter zu schauen:

The misogyny of Game of Thrones has always seemed so gratuitous as to pull me out of the story. For every woman with authority, there are five more being disparaged, and most women come to their power through physical and emotional humiliation (Daenerys) or a cool detachment from reality (Cersei).

Emilia Clarke, die Schauspielerin von Daenerys Targaryen, hat mittlerweile sogar vertraglich festlegen lassen, dass in sie keine Nacktszenen mehr mitspielen wird. (Randnotiz: Natürlich lassen sich schon nach einer kurzen Suche die widerlichen, leider nicht unerwarteten Reaktionen darauf finden)

Caroline Siede schrieb jetzt einen, wie ich finde, sehr klugen Artikel, in dem sie sich mit dem Doppelgleisigfahren der Serie im Hinblick auf ihre weiblichen Darstellerinnen auseinandersetzt. Siede freut, wie ich auch, zunächst über die Tiefe, den Handlungspielraum und auch die als häufig als natürlich dargestellte Sexualität der weiblichen Charaktere:

Game Of Thrones knows a thing or two about patriarchy. Not only is the battle over which ruler will sit on the Iron Throne a literal manifestation of it, the show also smartly observes that female contenders have to fight twice as hard to even enter the race. By exploring the ways women push back against the limitations of a male-dominated society, Game Of Thrones has created some of the most compelling female protagonists on TV.

Die Objektifizierung gerade der Frauen, die eben keine Frauenfiguren im dramatischen Sinne sind, die als eye candy nackt durch die Gegend laufen und in Badezubern sitzen, stößt ihr allerdings bitter auf:

What I am criticizing is the way the show presents the naked bodies of nameless female extras as props in much the same way a set dresser might add a detailed tapestry or ornate candelabra to a scene in King’s Landing. These women aren’t really treated as characters, they’re reduced to a pair of boobs and a perfectly manicured crotch—a historically inaccurate detail that for some reason doesn’t seem to bother the show’s fan base.

Gepaart mit der Tatsache, dass Männer wesentlich seltener bis nie in einem full frontal gezeigt werden, kommt sie nicht zu Unrecht zu dem Schluss, dass der Konsum der Serie für Feminist*innen trotz allem eine mords Schere im Kopf vorraussetzt. Ich werde also die aktuelle Folge heute Abend mit noch offeneren Augen als sonst schauen.

Tl;dr: Caroline Siedes Artikel zu weiblicher Nacktheit in Game of Thrones lesen!

PS: Ein Post zu Haaren an Frauen*körpern folgt.

Intimpiercings und FGM

TW/content warning: FGM, sexuelle Gewalt


Ich erfreue mich, seit ich im UK wohne, an den Diensten des National Health Service (NHS). Jede*r kann in eine Arztpraxis oder die Notaufnahme des Krankenhauses gehen und wird behandelt. Die Kosten werden auf die Allgemeinheit umgelegt. Weitestgehend also ein Meisterstück an Sozialstaat und meist trotz etwaiger Wartezeiten und mangelnder zahnmedizinischer Betreuung ein Grund zur Freude. Letztens ist mir allerdings das Frühstück im Hals stecken geblieben, als ich von einer neuen Regelung für den NHS gehört habe. Wie der Independent meldet, müssen Intimpiercings bei Frauen* nun registriert und bei Gesundheitsministerium gemeldet werden. Das Ganze steht im Zusammenhang mit einer erhöhten Aufmerksamkeit des Ministeriums und des NHS gegenueber dem Thema female genital mutilation (FGM), der Verstümmelung weiblicher* Geschlechtsorgane. Intimpiercings werden demnach als FGM betrachtet und müssen entsprechend aufgenommen und gemeldet werden. Eine verstärkte Verfolgung fuer FGM mit irgendwas zwischen 20,000 und 65,000 gefährdeten Frauen* im Jahr im UK ist eine wunderbare Sache und sehr löblich. Es ist allerdings mehr als ein wenig bizarr und auch schlicht respektlos, Intimpiercings, die konsensfähige, erwachsene Frauen, idealerweise unter professionellen, hygienischen Bedingungen, freiwillig haben stechen lassen auf dieselbe Stufe wie die gewaltsame, traumatisierende, objektifizierende Verstümmelung der Geschlechtsorgane oft minderjähriger Maedchen* zu stellen. Meine, und nicht nur meine, Kritik entfaltet sich entlang von zwei Linien.

Die erste betrifft die mit dieser Gleichstellung einhergehende Verharmlosung von “tatsaechlichem” FGM.

Die zweite, und diese (be-)trifft mich persönlich besonders ist die Tatsache, dass diese Regelung mehr als implizit erwachsenen, konsensfähigen Frauen* die autonome Verfügungsgewalt über ihre Körper abgesprochen wird. Diese Regelung kommt knapp ein halbes Jahr nach den nachgezogenen Pornographiegesetzen im UK, die die Produktion von BDSM-Pornographie drastisch behindert und nicht zu Unrecht zu Ungunsten von weiblicher Sexulität ausgelegt wurde. Diese NHS-Regelung schmeckt nach einem weiteren Schritt der Infantilisierung erwachsener Frauen. Ein wenig Nähkästchengeplauder scheint hier von Nöten: Ich habe vor ein paar Tagen mal nachgezählt und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass ich zu meinen Hochzeiten irgendwas zwischen 18 und 20 Piercings an den diversesten Stellen meines Körpers hatte, auch unterhalb der Gürtellinie. Seit ein paar Tagen habe ich 7 Tattoos. Jede einzelne Piercingnadel oder tattoo gun, die jemals meinen Körper berührt hat, konnte das nur tun, weil ich vorher mit einem anderen Menschen einen mündlichen oder schriftlichen Vertrag abgeschlossen habe, der den folgenden “Eingriff” regelt. Fast immer fand das Ganze in einem professionellen Studio statt, gegen Geld, durchgeführt von einer Person, die einen gewissen Grad an Erfahrung hat. Und die Entscheidung, diese “Eingriffe” vornehmen zu lassen, habe ich, wenn auch nicht immer lange im Voraus geplant, so doch jedes einzelne Mal bewusst getroffen in dem Wissen, dass ich mich im Prinzip jederzeit umentscheiden kann. Die Gründe, die diversen body mods “durchführen” zu lassen, sind so unterschiedlich wie die mods selbst. Ich hatte surface piercings, skin divers, ganz gewöhnliche Stecker, Ringe, reine b/w Tattoos, eins mit Schattierung, welche die in Freude gestochen wurde, manche, die einen Moment, einen Tag festhielten, welche die einem Anflug von “zuviel Geld!” geschuldet sind, welche, die “nur” Schmuck sind, und welche, die gegen die Taubheit meiner Sinne und meiner Seele angetreten sind. Sie haben alle eins gemeinsam: Alle sind Ausdruck und Resultat meiner Autonomie, meiner Verfügungsgewalt, meiner Hoheit darüber, was mit meinem Körper geschieht und was nicht. Sie sind Ausdruck und Resultat von Arbeit, von den sprichwörtlichen Blut, Schweiß und Tränen, von Traumabewältigung, von Gewinn, und von Liebe. Und all das lässt sich nicht wegreden mit einer Verordnung, die bestenfalls noch aus falschverstandenem Schutzbedürfnis denen gegenüber erlassen wurden, denen sie am Ende wahrscheinlich genau nichts bringt.

Nicht lesbisch genug

Wo fang ich überhaupt an mit dieser Geschichte? Vielleicht hiermit:

[‘Flüchtlinge’ sind Menschen, die] aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will, oder die sich als Staatenlose infolge solcher Ereignisse außerhalb des Landes befindet, in welchem sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatte, und nicht dorthin zurückkehren kann oder wegen der erwähnten Befürchtungen nicht dorthin zurückkehren will. (Genfer Flüchtlingskonvention, 28. Juli 1951)

Zweiter möglicher Ansatzpunkt für diesen Post ist die folgende Grafik von 76crimes.com:

https://76crimes.files.wordpress.com/2015/02/world-map-640p-2-2015-of-78-countries.jpg

Hübsch in Rot sind die Staaten, in denen es Gesetze gegen homosexuelle, bisexuelle, und Trans-Menschen (LGBT*) gibt, die von Gefängnisstrafen bis zur Todesstrafe reichen.

Vergangenen Samstag war ich auf einer kleinen aber feinen Demo vor dem Gerichtsgebäude des Home Office hier in der Stadt, in dem Asylanträge verhandelt werden. Es war eine Soli-Demo, organisiert von den tollen Menschen von No Borders, für LGBT*-Asylsuchende hier im UK. Die ‘Flüchtlings’konvention bezieht sich ja neben ‘Rasse’ und Religion auch speziell auf die Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen, was im Sinne der LGBT* ausgelegt werden kann und auch teilweise wird. Bei der Prüfung des Asylantrags wird dann versucht herauszufinden, ob eine Verfolgung im Herkunftsland aufgrund der sexuellen Orientierung oder Genderidentität vorliegt. (Ja, wichtiger Unterschied! Sexuelle Orientierung = mit wem gehe ich ins Bett; Genderidentität = als wer gehe ich ins Bett)

Ein aktueller Fall hier im UK hat — zurecht — zu großer Aufregung geführt. Aderonke Apata floh aus Nigeria (eines der besagten 78 Länder), nachdem ihre Partnerin und eines ihrer Kinder getötet wurden.Aderonke selbst wurde verhaftet, konnte sich durch Schmiergeld freikaufen und hat es mit ihrem zweiten Kind nach Großbritannien  geschafft.

http://www.independent.co.uk/news/uk/home-news/aderonke-apata-deportation-case-if-the-home-office-doesnt-believe-im-gay-ill-send-them-a-video-that-proves-it-9509738.html
http://ow.ly/K4Gjz (independent.co.uk)

Aderonke sitzt zur Zeit in Yarl’s Wood ein, einem britischen Abschiebegefängnis in einem Industriegebiet in Bedford zwischen Northampton und Cambridge. Ihr Asylantrag wurde am Dienstag vom High Court geprüft und zunächst abgelehnt. Die Begründung hat — nicht nur — mir die Schuhe ausgezogen. Nachdem  Aderonke sehr persönliche Fragen zu ihrer sexuellen Geschichte und Beziehungen beantworten musste, wurde festgestellt, dass sie — Achtung, schon mal die Fackeln und Mistgabeln bereit machen! — nicht lesbisch sein kann, da sie Kinder hat, die — welch Überraschung — aus einer heterosexuellen Beziehung stammen!!1! Ja, vielleicht nochmal lesen, ich konnte es auch nicht glauben beim ersten Mal. Es ist mir schier unmöglich, den Mangel an geistiger Flexibilität und Empathievermögen zu beschreiben, der notwendig ist, um nicht anzuerkennen, dass es für eine lesbische Frau unter Umständen schlicht ‘einfacher’ oder eben auch sicherer sein kann, in einer heterosexuellen Beziehung zu leben. Das gilt ja schon für Länder, in denen kein Justizsystem die eigene sexuelle Orientierung offen verfolgt. Dass eine Frau, die in einem Land lebt, in dem nicht nur eine strafrechtliche Verfolgung sondern auch religiös-unterfütterte soziale Ächtung droht, eine Beziehung mit einem Mann eingeht, ist leider erstens nicht selten und zweitens auch teilweise überlebensnotwendig. Vielleicht, das kann ich nicht sagen, ist auch Aderonke ein religiöser Mensch und es fiel ihr schwer, vor dem eigenen Spiegebild zu ihrer Sexualität zu stehen. Oder sie sah in der Vergangenheit ihre Sexualität nicht so schwarz und weiß. Oder, oder, oder…

Der Richter wird seine endgültige Entscheidung bevor dem Ende des Monats bekannt geben. Bis dahin bleibt Aderonke in Yarl’s Wood, wo sie trotz aller Diskriminierung von Schließer*innen und den miteinsitzenden Frauen*, eine neue Beziehung eingegangen ist.

Zum vorrübergehenden Abschluss kann ich nur sagen, dass es vielsagend ist, wenn selbst ein politisch eher…flexibles…Blatt wie der Mirror mit einem stark sarkastischen Unterton einen Test veröffentlicht, in dem mensch testen kann, ob er*/sie* ‘homosexuell genug’ für das Home Office ist.

 

Klick! zum Weltfrauen*(kampf)tag

Über das Verhältnis zwischen Feminismus und Neoliberalismus hat Astrid Herbold nachgedacht.

Auch im Jahr 2015 machen Frauen einen Großteil der Familienarbeit. Wir sind der Kitt, der den Haufen nach innen und außen zusammenhält. Verantwortungsgefühl trifft Kontrollzwang. Ich weiß auch das, ich habe bestimmt 30 Bücher über die Blödheit von Frauen gelesen und warum sie selbst ihr größtes Problem sind.

Kein Lebensmodell funktioniert wirklich. Viele haben innerlich kapituliert. Dann halt nicht zurück an den alten Arbeitsplatz. Dann halt keine tolle Karriere. Dann bringt er halt mehr Geld mit nach Hause. Wofür soll ich mir den Stress antun? Für das bisschen Geld, das bei Lohnsteuerklasse 5 übrig bleibt?

I feel you sister. Leider kommt sie nicht zu einer sehr befriedigenden Antwort. Was sie ihren Töchtern zum Thema Lebensgestaltung mitgeben will, weiß sie nicht. Und ich kann es ihr wenig verübeln, muss ich gestehen.

Och nö! Nicht schon wieder Frei.Wild

VICE hat mich gerade darauf hingewiesen: Es ist mal wieder Echo-Nominierungszeit. Die Nominierungen gehen nach Verkaufszahlen aus dem Vorjahr. Es könnte also argumentiert werden, dass die Käuferschaft vor allem bestimmt, wer nominiert werden kann. Oder so. (Ganz verständlich scheint es mir nicht, wieso nicht einfach die Zahlen veröffentlicht werden.) Dieses Jahr haben es alte Bekannte in die Kategorie “Musik-DVD/Blu-Ray national” geschafft. Die Band Frei.Wild (nominiert mit anderen musikalischen Perlen wie Helene Fischer und den Böhsen Onkelz) stammt zwar aus und besingt Südtirol, was im Jahr 2015 nicht innerhalb der deutschen Staatsgrenzen liegt, aber das scheint nicht zu stören. Über die Herren inhaltlich noch mehr zu schreiben scheint mir vergebene Lebenszeit; es bleibt allerdings spannend zu beobachten, wie die Toten Hosen, die in derselben Kategorie nominiert sind, sich der Tatsache gegenüber positionieren, mit der politisch ja eher mittelprächtigen Band zusammengetopft worden zu sein. 2013 gab’s ja bereits den Boykott von Kraftklub und MIA. Letztes Jahr, als das Deutschtümelantenstadl in der Kategorie “Rock/Alternative national” zusammen mit In Extremo, Schandmaul und den Sportfreunden Stiller nominiert waren, gewannen immerhin letztere den Preis. Glücklich war aber auch wieder niemand. Und auch dieses Jahr stellt sich nun wirklich die Frage: Wenn schon nominiert, warum dann nicht in “Volkstümliche Musik”?