“Benjamin liebt alle Leute, ja sogar die Polizei!” oder: Der politische Inhalt von Kinderhörspielen

Als Kinder der späten 80er und frühen 90er bin ich unweigerlich und glücklicherweise mit Elfie Donnellys Hörspielen über den sprechenden Elefanten und die kleine Hexe groß geworden. Ich schäme mich auch nicht zu sagen, dass mein Herr Vater mir vor knapp zwei Jahren eine MP3-CD auf die Insel geschickt hat mit einigen meiner Lieblingsfolgen von Benjamin Blümchen und ich absolut ekstatisch war. Ich konnte noch immer die Texte mitsprechen. Jetzt haben mir die Herren von Methodisch Inkorrekt Podcast in einer ihren letzten Folgen die Suppe ein wenig versalzen, als sie auf einen Artikel der Bundeszentrale für Politische Bildung (BPB) hinwiesen, in dem es um den politischen Inhalt der Hörspiele geht.

Der Artikel ist schon von 2005, aber ich tippe mal, dass sich die Bewertung nicht wirklich geändert hat. Das tl;dr des Artikels ist: Politik, Staatsgewalt und Wirtschaft werden als Antagonisten konstruiert, Benjamin und Bibi stehen für das Gute ein, das der Raffsucht und dem Egoismus der Autoritäten diametral entgegensteht, die aufklärerische Macht von Karla Kolumna als Pressevertreterin wird gefürchtet von Bürgermeister, Polizei und dem Großkapital.

Kurz: Die “richtigen” politischen Positionen bzw. Verhaltensweisen sind ökologisch, postmaterialistisch, basisdemokratisch, kritisch, zivilcouragiert, pazifistisch, sozial, antikapitalistisch, egalitär, tendenziell anarchisch bzw. antistaatlich, antihierarchisch, antiautoritär und antikonservativ; mit anderen Worten: “links” der politischen Mitte (linksliberal bis linksalternativ).

Der Artikel kritisiert die subtile politische Sozialisierung der zuhörenden Kinder durch die implizierte Nähe zu den Charakteren und die Tatsache, dass die Rezeptionssituation (vor dem Schlafengehen z.B.) dazu führt, dass keine kritische Distanz zu den Geschehnissen aufgebaut wird. Zudem wird den Hörspielen, bzw. ihrer politischen Botschaft, Schwarz-Weiß-Malerei (Autorität böse, Anarchie/antiautoritäres Verhalten gut), mangelnde Medienkritik, und Vernachlässigung der positiven Aspekte von ortsansässiger Wirtschaft (Arbeitsplätze) vorgeworfen.

Ich muss gestehen, dass ich auf die Charaktere und Handlungsstränge dahingehend vorher nicht reflektiert hatte. Und kritisch, zivilcouragiert, antikonservativ und kapitalismuskritisch zu sein find ich gut. Liegt aber vielleicht auch an der subtilen politischen Sozialisierung.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s